Auf den Spuren von Franz Liszt: dieses Mal in Leipzig
Die Franz-Liszt-Gesellschaft im Juni 2026 beim Bachfest
Weimar, Budapest, Rom, Wien … die Franz-Liszt-Gesellschaft Eschweiler folgt ihrem Namensgeber auf dessen Reiserouten kreuz und quer durch die Kulturzentren Europas. In diesem Jahr war also Leipzig an der Reihe. Dort findet alljährlich das Bachfest statt, das an elf Festivaltagen unglaubliche 212 Programmpunkte rund um den legendären Komponisten, der als Wegbereiter unserer Musikkultur gilt, anbietet. Darunter sind Metten und Gottesdienste in berühmten Gotteshäusern (u. a. Thomaskirche, Nikolaikirche), die mit reichlich Musik „garniert“ sind, ebenso wie Auftritte hochkarätiger Interpretinnen und Interpreten an zahlreichen Spielstätten, wie z. B. dem Gewandhaus, bis hin zu Open-Air-Darbietungen zum Thema Bach auf dem Markt – Aktivitäten buchstäblich vom Morgen bis zum Abend.
Moment ´mal! Was hat Franz Liszt eigentlich mit Bach und Leipzig zu tun? Eine ganze Menge. 1840 trat er (also mit knapp 29 Jahren, aber bereits als eine Art „Superstar“ seiner Zeit) zum ersten Mal – und wie es sich für ihn beinahe schon gehörte – skandalumwittert im Gewandhaus auf. Aus Reserviertheit des damals anwesenden Publikums wurde dann im Verlauf des Konzerts geradezu überschwängliche Begeisterung. Es folgten Freundschaften mit Clara und Robert Schumann sowie mit Felix Mendelssohn Bartholdy, der als Verehrer Johann Sebastian Bachs diese Wertschätzung des Leipziger Kantors auch auf Franz Liszt übertragen konnte. Später wirkte er von Weimar aus bei der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Musikvereins“ mit, dessen Organ die von Robert Schumann initiierte „Neue Zeitschrift für Musik“ war. Dazu kamen enge Kontakte zu in Leipzig ansässigen Musikverlagshäusern und nicht zuletzt zu der ortsansässigen Klaviermanufaktur Blüthner, die ihm passende Instrumente quasi in seine äußerst anspruchsvollen Musikerhände schuf.
Es galt nun, die zahlreich mitgekommenen Mitglieder und aus weiten Teilen Deutschlands angereisten Freunde der Franz-Liszt-Gesellschaft Eschweiler mit einem repräsentativen Programm, das sich über beinahe fünf Tage erstreckte, zu begeistern. Den Anfang machte ein „Get-together“ im Auerbachs Keller, wo die Gruppe bei lokalen Köstlichkeiten und in heiterer Atmosphäre zusammenfand.
Bei einer Stadtführung am nächsten Morgen konnten die „Lisztianer“ ebenso unterhaltsam wie informativ feststellen, wie ganz Leipzig in diesen Tagen, getragen durch eine langjährige Geschichte mit wichtigen kulturellen und politischen Ereignissen, Musik buchstäblich zelebriert. In den Kirchen und auf den Plätzen scheint die Luft von Klängen zu vibrieren. Diese Faszination erfasste alle unentrinnbar. Die Grundsteine einer erfüllenden Teilnahme am Bachfest waren gelegt.
Am späteren Nachmittag dann einer der Höhepunkte des Programms: Kein Geringerer als der weltweit renommierte Klaviervirtuose Sir András Schiff konzertierte vor ausverkauftem Gewandhaus und spielte Bachs Italienisches Konzert in F-Dur, die Ouvertüre nach französischer Art in h-Moll und sämtliche (!) Goldbergvariationen – eine Mammutaufgabe, die, bravourös auf zwei verschiedenen Flügeln dargeboten, an Liszts Auftritt vor 186 Jahren (wenn auch ohne dessen Allüren) denken lässt. Entsprechend enthusiastisch fiel dann auch der verdiente Applaus aus.
Bei einer von der Gruppe am nächsten Tag besuchten Interviewstunde, die der Intendant des Bachfestes Prof. Michael Maul mit dem Pianisten führte, kamen dann auf sehr sympathische Art so manche Geheimnisse ans Licht, die Bach und Schiff verbinden. Die Mischung aus Kompetenz, Bescheidenheit und einehmender Persönlichkeit zog alle in ihren Bann.
Weiter ging es nach entspannender Pause mit dem Preisträgerkonzert im Mendelssohn-Kammermusiksaal des Gewandhauses. Auf bis zu drei Flügeln gleichzeitig und begleitet von singenden Violintönen zeigten junge hochbegabte Musikerinnen und Musiker, wie sie mit geschickten Fingern Tasten und Saiten Töne aus den Federn von Bach und Mendelssohn zu entlocken verstanden.
Nun war es an der Zeit, dass sich die Reisegesellschaft persönlich von der vielbesungenen Qualität der oben angesprochenen Blüthner-Flügel überzeugte. Wird diese Firma ja schon seit 173 Jahren (und damit in ruhigen wie komplizierten Phasen) ununterbrochen von der namengebenden Familie geführt und inzwischen in der fünften Generation erfolgreich immer weiterentwickelt.
Kaum einer konnte sich vorstellen, welche Kreativität und Handarbeit in so einem Instrument stecken. Jeder in die Produktion eingebundene Werksangehörige strahlt erkennbar stolz die Zufriedenheit über das aus, was nach etlichen Wochen die Werkstore verlässt, in alle Welt ausgeliefert wird und die Fachwelt genauso wie das Publikum durch die Qualität der Klanggebung begeistert.
Natürlich durfte ein Privatkonzert des musikalischen Leiters der Franz-Liszt-Gesellschaft Peter Grauer nicht fehlen, das mit Werken von Beethoven, Schubert, Liszt und Debussy, präsentiert auf dem nobelsten der Blüthner-Konzertflügel, die Gruppe zu stehenden Ovationen hinriss.
Bei strahlend untergehender Sonne endete das Leipziger Programm auf einer Seeterrasse am Cospudener See mit einem Buffet, bevor es am nächsten Morgen wieder zurück ins Rheinland ging.
… und es strahlten darüber hinaus ebenso die Gesichter aller Teilnehmenden, insbesondere aber auch des Vereinsvorstands. Wohin soll die Reise auf Liszts Spuren nächstes Jahr gehen? Budapest? Bayreuth? Paris? Wir werden sehen.

Eberhardt Schneider

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